Vielfalt an der Universität

An dem Aktionstag beteiligte sich die zivile Gleichstellungsstelle dieses Jahr zum ersten Mal. Die Gleichstellungsbeauftragte Pamela Koch bedankte sich bei allen Beteiligten für die tatkräftige Unterstützung. Etwa bei der Vertrauensperson der schwerbehinderten Menschen, Klaus Franz, der Fragen zu seinem Beratungsangebot beantworte. Über die drei betreuten Arbeitsplätze im Rechenzentrum der Universität informierte die Pfennigparade. Als eines der größten Rehabilitationszentren für körperbehinderte Menschen in Deutschland vermittelt die Einrichtung Beschäftigte an Stellen, in denen sie ihre Stärken einsetzen können. Prof. Andreas Karcher und Goran Mihelcic standen für Fragen zur Patenschaft mit dem Verein „Helfende Hände“ zur Verfügung, der Menschen mit einer schweren Mehrfachbehinderung fördert. Auch die Mitglieder des Helferkreises Asyl Neubiberg, der Flüchtlingen bei administrativen Fragen, Familienbetreuung, medizinischen Problemen und der Jobsuche zur Seite steht, führten viele Einzelgespräche über ehrenamtliches Engagement. Der Studiengang „Management und Medien“ zeigte journalistische Beiträge der Studierenden zu den Themen Gleichberechtigung, dem Alltag alleinerziehender Soldatinnen und Soldaten sowie dem Umgang mit Religion oder Homosexualität in der Bundeswehr. Für die kleinsten Besucherinnen und Besucher veranstaltete der Kindergarten Sonnenwiese einen Malwettbewerb. Der Studentische Konvent sorgte mit einem Kaffee- und Kuchenbasar für das leibliche Wohl.

Von einer vielfältigen Belegschaft profitieren Kollegen und Arbeitgeber

„Die Universität ist nicht nur mit ihren internationalen Forscherinnen und Forschern divers aufgestellt“, eröffnete der Vizepräsident für Forschung Prof. Karl-Christian Thienel die Veranstaltung für die Universitätsmitglieder. Für einen vorurteilsfreien Arbeitsplatz setze sich die Bundeswehr als Unterzeichner der „Charta der Vielfalt“ ein. Hinter der Erklärung steht der gleichnamige gemeinnützige Verein, den die Bundeskanzlerin als Schirmherrin unterstützt.

 

Die Gleichstellungsbeauftragte Pamela Koch und der Vizepräsident für Forschung Karl-Christian Thienel eröffneten den Diversity-Tag

 

Welche Ziele die Charta und der Diversity-Tag verfolgen, erklärte der Soziologe und Koordinator des Weiterbildungsprogramms ProfiLehrePlus, Dominik Baldin, in seinem einführenden Vortrag. Es gehe darum, Bewusstsein für das Thema zu schaffen und den Einsatz für ein erfolgreiches Miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft zu fördern. „Der Begriff Diversity ist immer so etwas wie eine Problemformel“, analysierte Prof. Teresa Koloma Beck von der Fakultät für Sozialwissenschaften – man verbinde damit meist eine Bedrohung der Vielfalt. Umso wichtiger sei es, dieser entgegen zu wirken. Vielen Institutionen wäre der Mehrwert von Diversity-Maßnahmen allerdings noch nicht bewusst, bemängelte Prof. Rafaela Kraus. Diese können den Zugang zu neuen Zielgruppen öffnen, die Motivation von Beschäftigten erhöhen und für eine Weitergabe von Know-how über verschiedene Generationen hinweg sorgen. Der Vortrag der Expertin für Personalmanagement – Karriereförderung von weiblichen Offizieren über ein dreijähriges Mentoring-Programm –  warf Diskussionsbedarf auf: Verhalten sich Frauen in Führungspositionen anders? Wird das Projekt für beide Geschlechter angeboten? Pamela Koch beruhigte die hitzigen Gemüter: Mentoring gäbe es auch für Männer. Als Gleichstellungsbeauftragte vertritt sie diese ebenso.

Gelebte Vielfalt an der Universität

An der Universität sei die auffälligste Unterscheidung die zwischen militärischem und zivilem Personal, sagte Baldin. Aber auch innerhalb dieser Ebenen gäbe es Unterschiede. Eine Weltkarte im Foyer des Audimax zeigte beispielsweise die verschiedenen kulturellen Hintergründe der Universitätsangehörigen. Auch in ihrer Lebensgestaltung unterscheiden sie sich. Die Universität versucht, sie dabei bestmöglich zu unterstützen: z.B. mit Betreuungsangeboten für Kinder auf dem Campus oder in Form von Auslandsaufenthalten für Forscherinnen und Forscher sowie Studierende. Am Deutsch-Türkischen Studierendendialog des Auslandsbüros nahmen zum Beispiel Toni Peters und Volkan Karanfil teil. In München und in Istanbul tauschten sich die beiden mit türkischen Studierenden aus. Dank eines interkulturellen Seminars, der guten Küche, einem Schnupperkurs in Töpferei und „Ebru“, einer Marmoriertechnik auf Wasser, lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Dialogs die türkische Kultur besser kennen. „Ich setze mich jetzt viel mehr mit dem Islam auseinander – anstatt mich nur oberflächlich über die Medien zu informieren“, sagte Peters. Karanfil engagiert sich zudem ehrenamtlich für einen besseren Austausch zwischen den Kulturen: Er gibt Flüchtlingen regelmäßig Fußballtraining. Auch wenn Karanfil von seiner Patenschaft für eine ehemalige afghanische Ortskraft erzählt, merkt man ihm seine Begeisterung direkt an. Zunächst hat er dem Familienvater bei Behördengängen geholfen – einem teilweise schon für Deutsche unglaublichen Kraftakt. Mittlerweile sind die beiden Freunde geworden. „Wir haben schon zusammen Musik gemacht, außerdem ist mein Pate riesiger FC-Bayern-Fan“, berichtete der engagierte Student mit einem Schmunzeln.

So bringt jeder Mitarbeiter und jede Mitarbeiterin, jeder Student und jede Studentin an der Universität eine eigene Geschichte mit. Eine Geschichte, die unterschiedliche Talente, Fähigkeiten und Ideen hervorbringt – die Arbeit und Studium an der Universität vielfältiger und interessanter macht. Ein Gewinn für alle Beteiligten!